Interview
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Marz 2020 2.00

Moisés Jorge–Direktor des Patronats für Tourismus von Fuerteventura

"Wir müssen daran erinnern, dass der Tourismus die einzige Wirtschaft ist, von der die Insel lebt"

Wir befinden uns im Büro von Moisés Jorge, der uns in seinem voll gepressten Terminkalender wieder einmal Platz gemacht hat, um von aus erster Hand zu erfahren, welche Ergebnisse der Tourismus im vergangenen Jahr 2019 hatte und was uns 2020 erwartet.

Wie war die Bilanz des Tourismus im vergangenen Jahr?

2019 war aufgrund verschiedener Umstände ein wirtschaftlich und touristisch schlechtes Jahr. Das hatte mehrere Ursachen, vor allem eine wirtschaftliche Rezession in Deutschland und den Konkurs von verschiedenen Unternehmen in diesem Land. Deshalb haben wir eine beträchtliche Anzahl von Touristen vor allem des deutschen Marktes verloren. Das hatten wir nicht erwartet. Dazu kam ein Sommer mit sehr hohen Temperaturen in Deutschland, was dazu führte, dass auf dem deutschen Markt das Interesse am Sonne- und Strandtourismus nachließ. Dann der Konkurs von Thomas Cook, der den britischen Markt betraf, von dem wir neun Flüge pro Woche erhielten. Glücklicherweise reagierter anderer britischer Anbieter schnell, und jetzt ist alles normal. Obwohl wir das Schlimmste befürchtet haben, ist die Tochtergesellschaft Condor, von der wir 19 wöchentliche Flüge nach Fuerteventura bekommen, glücklicherweise nicht in Konkurs gegangen. Sie wurde nun von einem polnischen Unternehmen übernommen und wird auf Fuerteventura normal weitergeführt. Es gab auch eine internationale Blockade gegen das Modell Boeing 737 Max, das nicht fliegen konnte.

Können Sie uns nach Ihrem Besuch der FITUR, etwas über die positiven und die negativen Entscheidungen erzählen, die den Tourismus in dieser Saison betreffen?

Wir haben Informationen von den verschiedenen Fluggesellschaften und Reiseveranstaltern sowie Flugpläne erhalten. Außerdem haben wir zwei Wochen damit verbracht, die Informationen bei der AENA zu überprüfen und zu verifizieren, dass sie der Wahrheit entsprachen. Wir nutzten die FITUR, um uns direkt mit jedem einzelnen der Emissionsmärkte zu treffen. Wir hatten Insgesamt 33 Termine, von denen wir mit einem guten Eindruck nach Hause gingen, da uns positive Ergebnisse für die kommende Sommer- und Wintersaison 20-21 versprochen wurden. Auf dem internationalen Markt sind wir die einzige der Kanarischen Inseln, die auf dem deutschen Markt um etwa 30% wachsen wird, was etwa 115.000 zusätzliche Flugtickets bedeutet. Und die Fluggesellschaft FTI wird erneut einen täglichen Charterflug von Deutschland nach Fuerteventura mit einer Gesellschaft durchführen, die sie für diese Operationen erworben hat. Auf dem heimischen Markt werden wir um etwa 7 oder 8 % wachsen. Beispielsweise wird Iberia einen weiteren täglichen Flug von Madrid und zusätzliche Verbindungen von Sevilla, Bilbao und Barcelona mit Vueling anbieten, außerdem werden die Flüge von Malaga und Santiago de Compostela beibehalten.

Es waren mehrere nicht vorhersehbare negative Zufälle, die ein schlechtes Jahr 2019 verursacht haben, aber es scheint, dass sich der Wind diesem Jahr zu Gunsten gedreht hat.

Wir sind zufrieden, dass wir in weniger als fünf Monaten aus einer negativen Situation eine positive gemacht haben. Bei einem Treffen, das wir im Cabildo mit den Stadträten hatten, um die Krise des Sektors zu analysieren, war eine der ersten Maßnahmen für dieses Jahr 2020, eine Million Euro mehr für die Förderung des Tourismus bereitzustellen. Ich bekam von Präsident Blas Acosta den Auftrag, an der Quelle mit allen Betreibern und Unternehmen zu verhandeln, um die Flugverbindung zur Insel zu verbessern, deshalb bin ich im Dezember letzten Jahres nach Hannover gereist, wo sich der Hauptsitz der TUI befindet. Dort hatte ich ein sechsstündiges Treffen mit den Direktoren dieses Unternehmens, um das Thema Fuerteventura zu erörtern. Sie erklärten mir die Unterschiede zwischen Fuerteventura und den bedeutenden Reisezielen der Konkurrenz in der Türkei, in Griechenland und in Ägypten. Die Art des Touristen ändert sich, und sehr schnell wird der Kunde am Reiseziel mehr verlangen, und wir müssen jetzt damit beginnen, daran zu arbeiten.

Können Sie uns ein Beispiel nennen?

Es soll erleichtert werden, dass kleine Unternehmen oder touristische Gebiete den Besuchern zusätzliche Erfahrungen anbieten können, die die Angebote in ihrem Hotel ergänzen. Und was uns von der Konkurrenz unterscheiden wird, ist die Fähigkeit, ein diese qualitativ hochwertigen Freizeiterlebnisse anzubieten, um diese Nachfrage zu befriedigen. Die TUI sagte uns, dass Fuerteventura kein Problem haben wird, wenn wir unsere Hausaufgaben gut machen, da die Insel in diesem Unternehmen bereits etabliert ist und dass das Problem der Insel nur die Notwendigkeit sei, sich zu erneuern, um im Tourismus wettbewerbsfähig zu bleiben. Tatsächlich wird dieses Unternehmen für den kommenden Sommer die meisten Flüge aus Deutschland anbieten, weshalb wir für den deutschen Tourismus auf der Liste der Inseln stehen. Die Flüge sind jetzt verfügbar und müssen verkauft werden. Wir alle müssen daran arbeiten, dass das Reiseziel wegen seinen Freizeitaktivitäten, seinen Attraktionen und seinen natürlichen und touristischen Ressourcen gefragt ist, und, wie ich immer gesagt habe, es gibt keine Zauberformeln, es geht nur gute Arbeit. Wir wollen, dass die Ämter für Tourismus der einzelnen Gemeinden eine größere Rolle spielen, indem sie mit einem größeren Wirtschaftsbudget ausgestattet werden, welches es ihnen ermöglicht, mehr zu tun als nur Messen und Broschüren zu organisieren. Sie sollten Räte mit wirtschaftlichem Gewicht innerhalb des Rates sein, damit sie die Touristengebiete perfekt erhalten können. Wir dürfen nicht vergessen, dass der Tourismus die einzige Wirtschaft ist, auf die sich die Wirtschaft der Insel stützt. Es wurden keine Alternativen zu dieser Wirtschaft gesucht, und der Tourismus wird nicht so behandelt, wie er sollte.

 

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